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Foto: Markku "Marsa" Anttonen
REISEN IN DER MORGEN- ODER ABENDDÄMMERUNG IN RAJAMAILLA?
Ein altes Sprichwort besagt, dass in einem Land von der Größe Finnlands nur ein Thema gleichzeitig Platz hat. Wenn es jetzt nicht die Virusplage ist, dann ist es der Tourismus. Tourismus ist das Elixier der Vitalität und tut den zweifelnden Thomassen gut. Sein Mangel hingegen ist ein ständiges Staunen von Beratern, Zeitungspredigern, Stadtvätern und -müttern. Und natürlich ist bei uns immer alles möglicher als bei Ihnen.
Ein Tipp für Sie, Reisende oder Planende einer Reise: Wenn in demselben Satz Vitalität und Tourismus erwähnt werden, sollte man die Sicherung entfernen. Denn im Hintergrund kann sich ein gutes Maß an Todesermüdung und Fluchtbereitschaft offenbaren. Man kann nicht alles Schwarze weißwaschen, und die Sonne geht nicht im Osten unter. Apropos Osten: Hier hat man immer auf eigene Weise gelebt, auch wenn viele Erfindungen verspätet ankamen, Reichtum sich nicht angesammelt hat und stärkere Mächte darüber hinweggefegt sind. Man hat trotzdem gelernt, zu roden und zu erzählen, Gedichte zu singen, zu braten und zu backen. Man ist jagen und fischen gegangen. Neben Pilzen hat man Schrott gesammelt und mit EU-Projekten auch etwas zurückbekommen.
Doch immer hatten die östlichen Menschen einen Lehrmeister. Zuerst der Pfarrer, dann der Lehrer, zuletzt der Beamte oder Berater. Nun sollte man sich an die Gewohnheiten anpassen, die auf den Weltmärkten, in Cloud-Diensten, Branding-Agenturen und dergleichen eingeimpft werden. Im Grunde hat sich also nichts geändert, obwohl sich alles geändert hat: Man sucht nur allzu leicht das Ideal der Authentizität, ohne es jedoch anschauen zu können.
Hinter dem Tourismusprunk quillt auch bürokratischer Haufen hervor. Wie im Institut am blauen Simpelejärvi festgestellt wurde, leben wir in einem Land der Prüfungsgläubigen. Wenn Sie versuchen wollen, ein Unternehmen zu gründen, müssen Sie mehr Karten und Pässe beschaffen als früher im Musketierkreis oder beim Versuch, die Grenze zu überqueren.
Wo sind die Zeiten geblieben, als in den hintersten Winkeln von Parikkala, also in Saaris Rauchschwaden, beim Fangen von Beute, es als Hygienepass ausreichte, dass die Schleimabsonderungen der Brassen jedes Mal an einem anderen Brettchen abgewischt und das Messer an feuchtem Gras gereinigt wurde? Einen Zahnstocher bekam man, indem man die Gabelgräten des Fisches entfernte. Wenn die Staatsgewalt und die Marktmacht das Treiben des Erlebnisguides und die Vorstellungen des Handwerksunternehmers überwachen, bleibt doch immer etwas unbemerkt. Nehmen wir zum Beispiel das Saunasalz, den Birkenquast (Vasta).
Das wäre doch ein Produkt zum Vermarkten. Schon in seiner Herstellung, geschweige denn im Endprodukt, aber was wurde daraus gemacht? Gefrorener Eukalyptus und mit Gummibändern gebundene Birkenbündel. Wenn es eine Richtlinie geben sollte, dann die, die Gummizwille verbietet oder sie nur zu Schießzwecken erlaubt. Eine 'Business Finland' könnte ein Projekt entwickeln, um das immaterielle Erbe des Birkenquast-Bindens zu autorisieren. Ja, zumindest einen Pass muss es geben. Und zwar einen, mit dem man auch an Mittsommer eine bestimmte Promillegrenze überschreiten kann.
Aber muss ein Tourismusprodukt immer ein tausendfach erkanntes Glanzbild und etwas sein, das andere bereits auf der Verbraucherseite erfunden haben, oder ein zwanghaftes Abarbeiten ohne gute Aussichten auf der Unternehmerseite? Woraus und wie kann man in diesen kargen Grenzgebieten schöpfen, wenn sich die Welt doch auch hier verändert hat?
Im Norden Südkareliens liegt Potenzial, würde auch der Berater sagen. Und auch das östliche Savo ist nicht ganz untätig, oder das südliche Nordkarelien nicht nur armselig. Nun muss man sich nur allmählich und mit Bedacht daranmachen, das Eigenste hervorzukratzen. Und man sollte sich nicht davor scheuen, was dabei zum Vorschein kommt. Neben der schönen Natur und der karelischen Direktheit zum Beispiel Geringbevölkerung und Verarmung. Etwas, das in so vielen Kontexten lieber unter den Teppich gekehrt würde.
Auch das ist Kulturerbe, könnte man sagen. Bereits im 19. Jahrhundert stellte ein Denker fest, dass, wenn man über ganz Parikkala ein Dach bauen könnte, es ein großes Armenhaus wäre. Es gäbe jetzt auch Sicherheitsabstand! Die Rajamailla-Gruppe könnte dazu beitragen, den Kurs des lokalen Tourismus hin zu Echtem, derb Schönem und Interessantem auf jungfräulichem Boden zu lenken. Vielleicht ist es sogar gut, dass man hier noch keinen Erfolg hatte. Der Rajamaister wartet und berichtet... mit Brasse und Birkenquast unter dem Arm!
-Rajamaister