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Artikel veröffentlicht 23.06.2021

Aus den Grenzgebieten der Wetterprophetie und des Humbugs


Aus den Grenzgebieten der Wetterprophetie und des Humbugs

Finnlands Sommer ist schön. Aber kurz. Da war es wieder, diesmal. Eine Erinnerung, wie mit Feuerbuchstaben in unser nationales Selbstbild des Jahreskreislaufs gebrannt, damit die Wahrheit nicht vergessen wird.

Das Motto ist ein Hinweis, der am Ende des ersten Teils des Epos „Hier unter dem Polarstern“ gelesen wurde, auf den Beginn der späteren Widrigkeiten von Akseli und Elina, die geheiratet haben, und der Dorfgemeinschaft von Pentinkulma. Es lässt sich aber auch umfassender interpretieren: Es lädt dazu ein, die Bedeutung und den Sinn von Zeit und Sein, den Vergleich von Sommer und Leben oder was auch immer ein unabhängiger Hängematten-Philosoph sich ausdenken mag, zu reflektieren.

Finnlands Sommer ist kurz, aber schneearm. Auch das wissen wir gut, obwohl es wohl eine etwas frischere Schicht ist, die zumindest schon seit den 1980er Jahren aus dem Munde des Volkes gesprungen ist. Darin steckt statt langsamer Philosophiererei eine zupackende Triebkraft und eine unverfälschte, derbe Weltanschauung.

Die heimische Sommerromantik wurde traditionell durch die Nostalgie von Freilufttänzen, Saunen, Bootfahren – und natürlich durch die turbogeladene Grill-Bilderwelt der Werbewelt – aufrechterhalten. Angeln, Outdoor-Spiele, Sommertheater und Sommerfeste gehören ebenfalls dazu. Aber kaum etwas davon ist wetterunabhängig.

Die Begrenztheit unserer Sommerzeit, die Unvorhersehbarkeit günstiger Wetterbedingungen, der Wandel und schließlich die Kürze der warmen Tage selbst eines heißen Sommers dürften keine gute Ausgangsbasis für kreative Entwicklungen gewesen sein, außer in der Belletristik und Aphoristik. Könnte man aus jedem Wetter dennoch etwas Originelles, Neues herausholen, das sich unvoreingenommen sogar zu einem Teil des lokalen Tourismus und der Veranstaltungen entwickeln ließe?

Sommeraktivitäten werden im Allgemeinen als Umsetzungen verstanden, die von warmem, ruhigem und sonnigem Wetter abhängen. Für viele trifft das auch zu. Aber wenn wir den Blick von Beschäftigungen, dem Bewegen auf dem Wasser oder langen Tageswanderungen nur auf das Sein richten, könnte sich etwas Neues entwickeln.

Wie würden die Poutapäivät von Parikkala für Sommertouristen klingen, die schon alles gesehen, aber nicht genug unnötige Beschäftigungen und müßiges Herumlungern erlebt haben? Oder wäre es besser, sie Pilvipoutapäivät zu nennen und den Sonnenschein dem früher auch Sonnenland genannten Kesälahti zu überlassen?

Die Hauptarena würde sich natürlich am Rande des Dorfes Poutala an einem geeigneten Ort finden. Aber was soll ins Programm? Hier gibt es zumindest Torkkelinnotko, wo der Volkssage nach sogar das Pferd des Gründers von Viipuri, Torkkeli Knuutinpoika, einmal beim Vorbeireiten gestürzt sein soll.

Aus der Geschichte könnte ein Seminar ins Leben gerufen werden, das selbst die alten Imatra-Semiotik-Tage übertrifft, als Jahresrückblick auf unwissenschaftliche Volkserklärungen von Ortsnamen. Dazu ein Wettbewerb, bei dem der beste Sturz aus dem Sattel in die Schlucht prämiert wird. Als Rahmenprogramm Heumachen mit schlechten Geräten. Der Sieger ist derjenige, dessen mit einer einzinkigen Heugabel gestopfter morscher Pfahl am längsten aufrecht bleibt.

Aber der Wettervorbehalt. Im Falle von Regen wird die Veranstaltung in den nördlichen Teil verlegt, wo sie durch das „Saaren Sateiset“-Festival ersetzt wird. Eine lokale Redewendung erinnert an den Fall, in dem ein Heumacher, der bereits gesammeltes, aber feuchtes Heu hatte, den Wettergott herausforderte, indem er es wie ein Regenmacher wieder ausbreitete: Dich, du Teufel, jetzt! Bei Muatiinen, also einem leichten Dauerregen, wird das Tauziehen in Teams von verschiedenen Seiten der Kanäle fortgesetzt. Die Niederlage stört dann nicht mehr, wenn man sowieso schon nass ist.

Gewitter kann man nicht ausweichen, daher muss auch dieser Wettertyp berücksichtigt werden, obwohl eine Dauersaison so selten ist wie Hitze zu Mittsommer. Die Zeit führt natürlich nach Uukuniemi, wo das heidnische Opferfest Ukon vakat wohl am längsten bestand. Die Uukuniemen Ukostelut würden das uralte Ritualfest modernisieren, bei dem Papinniemi für einige Tage wieder zu Ukonniemi wird.

Bier fließt wie in alten Zeiten: Wer am meisten betrunken wird, bekommt den passenden Regen und die beste Ernte. Auch der Rest ist wie aus Agricolas Beschreibung aus dem 16. Jahrhundert: „sijtte paljo Häpie sielle techtin quin seke cwltin ette nechtin“. Als Update wird ein Bus voller Imatraer bestellt, um zu erklären, warum Ukonniemi dort feminin Ukoska genannt wird? Und ein entsprechender Gelehrter, um sicherzustellen, dass es sich nicht doch um ein seltenes Relikt, nämlich Rauni, Ukos Frau im mythischen Götterpaar, handelt?

Wenn Strandfischabende, Dorffeste, Märkte und ähnliches auch im Norden der Region immer seltener werden, ist es für die Organisatoren von Sommerveranstaltungen angebracht, sich anzupassen. Irgendwoher müssen ja auch die Joutsa-Freizeittage und die Puolanka-Pessimismustage ihren Ursprung haben. Und wo sind wir im Sommer 2021!

-Rajamaisteri