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In den Grenzgebieten der Genussreisen
In den Grenzgebieten der Genussreisen
In der Sommerzeit reist der Urlauber gerne kreuz und quer durch das Heimatland. Auch in Ausnahmesituationen, nun schon im zweiten Jahr, stehen beim Basistourismus immer zwei Dinge im Vordergrund: Unterkunft und Verpflegung. In Bezug auf Letzteres ist das Grundbedürfnis das erste, das sich hervorhebt, wenn man sich außerhalb des alltäglichen Lebens bewegt: Das Essen muss schmackhaft, ausreichend und preiswert sein. Damit ist schon der Anfang gemacht und oft geht es noch weiter.
Das zweite Bedürfnis setzt das erste voraus, ist aber bereits vielschichtiger. Was ist der besondere Wert des Essens, der sich aus kulturellen Faktoren zusammensetzt? Ist da etwas Traditionelles und Verwurzeltes dabei, das man nicht jeden Tag und schon gar nicht überall wie eine Tiefkühlpizza aus dem Supermarkt holen kann? Und wie steht es um den Grad der Regionalität des Essens? Und der Veredelungswert – steckt darin eine neue Erkenntnis, die garantiert eigenständig ist?
Auch in Südkarelien gäbe es genügend kulinarische Traditionen, aber bei genauerer Betrachtung zeigt sich bald, dass die Schicht der sogenannten traditionellen Gerichte, die Reisenden angeboten werden, eher dünn ist. Särä, vedyt, atomit, Rinkeli, Piirakat und Rieska. Dann muss man schon etwas nachdenken, wie die Liste weitergeht. Alternativen für den Startpunkt des Traditions- und Nahverkehrs-Essentourismus gäbe es auch im nördlichen Teil der Region, aber hier müsste man als allererstes das Profil etwas anheben.
In Ruokolahti gab es früher in einer entlegeneren Dorfbar Särä-Sandwiches, aber nicht mehr. An den Straßenrandlokalen von Rautjärvi fällt mir keine traditionelle Alternative ein, aber auf dem Laiko-Feld bekam man früher ein schmackhaftes und herzhaftes Roastbeef-Patogen für unterwegs. Jetzt hallen die ehemaligen Kaffee- und Speiselokale neben den verlassenen Zapfsäulen Jahr für Jahr leer.
In Parikkala hat sich an der Straße 6 ein Laden für regionale Produkte mit seinen Waren etabliert, aber daneben auf dem Parkplatz des Skulpturenpark erregt die Eroberung der Region durch den vielleicht bekanntesten Fischpastetenverkäufer Savos und sogar Finnlands schon den zweiten Sommer lang Erstaunen. Die Pasteten werden wohl auch aus Nordkarelien gebracht.
Was soll daran schlecht sein, gute Unternehmungslust und gutes Essen. Aber da wir hier auch in alten Pastetengebieten sind, kann man eine große Enttäuschung nicht verbergen, dass wir es nicht geschafft haben, mit lokalen Produkten und Rezeptideen die Parkplätze zu füllen, noch dazu an der beliebtesten Sehenswürdigkeit.
Es scheint stark darauf hinzuweisen, dass zumindest in Parikkala die letzten Jahrzehnte in der lokalen Produktentwicklung aufsteigender waren als jetzt. Neben den Pasteten sind allmählich und geräuschlos auch Honigsenf, Sauerkraut, Leinen- und zerrissene Roggenbrothälften verschwunden. Lachs schwimmt schon lange nicht mehr in die Kisten, und die lange bekannten Räuberbraten-Abende im Norden sind nur noch eine Erinnerung.
Was könnte getan werden? Eine einfache Antwort gibt es natürlich nicht, wie bei der Gastronomie oder dem Unternehmertum überhaupt. Der gesamte Prozess würde eine komplette Neugestaltung erfordern, angefangen bei der Recherche der essbaren Hintergründe und der Grundidee, über die Produktentwicklung, Produktionsinvestitionen, Marketing... und so weiter.
Es ist auch nicht einfach, alles Vergangene in ein Paket zu packen: Wenn es jemandem gelingt, das traditionelle Gericht von Parikkala, also Schweineeintopf mit allen Innereien, marktfähig für den modernen Gaumen zu machen und sogar zum Mitnehmen anzubieten, kann er gleich weiter nach Indien als Fakir gehen. Gelegenheiten für die Suppe gäbe es sicherlich noch. Solche, an die sich viele Besucher des Honkakylä-Ladenmuseums noch erinnern.
Die Grundlage für neuen kulinarischen Tourismus kann nicht nur die lokale Esstradition sein, sondern auch ein alter, breiterer regionaler Ansatz, hier insbesondere Ostfinnland, das karelische und savokarelische Erbe. Die Möglichkeiten entwickeln sich natürlich auf der Grundlage der Primärproduktion und mit Hilfe von Kooperationsketten. Ziemlich oft ist die Zusammensetzung eines lokalen Produkts ein zwischen den Nachbarregionen zirkulierender Herstellungsprozess, wenn die Zusammenstellung nicht sogar von noch weiter her kommt. Hier hätten die Akteure des Sektors noch Verdichtungsspielraum.
Eine lokale Figur, eine Rahmengeschichte oder eine Sehenswürdigkeit kann auch die Essensvorstellungen beflügeln. Von den Mägden von Parikkala und den Felchen von Simpele ist schon eine Weile vergangen. Was würde eine Magd jetzt in ihren Rucksack packen, vielleicht einen Zander-Schwanz? Würde der Löwenanteil des Ruokolahti-Löwen von einem Elch oder einem Hirsch stammen, und würde die Eisenration in Rautjärvi dann aus Vanillepudding, Erbsensuppe und dunklem Tee oder Zichorienwurzel bestehen? Es gibt natürlich auch eine unvoreingenommene und unbelastete Perspektive, bei der man sich einfach aus den verfügbaren Naturprodukten bedienen kann. Wildkräuter haben überall Furore gemacht. Da viele unserer Seen jetzt nährstoffreich sind, gibt es zum Beispiel auch Rohrkolben im Überfluss. Daraus lässt sich nahrhaftes Mehl gewinnen, das schon in der Steinzeit verwendet wurde. Riesen-Balsam und einige Lupinen sind auch gut als menschliche Nahrung geeignet. Also Vier-Hook-Clubs, Schachtelhalm- und Randstreifenmäher und Kochkurse dazu – und bon appétit!
-Rajamaisteri